Kennst du das? Du startest morgens einigermaßen sortiert in den Tag – und plötzlich bist du komplett im Viel-Viel & Klein-Klein versunken. Hier noch schnell eine Mail. Dort eine spontane Anfrage. Dann ploppt die nächste Nachricht auf. Und ehe du dich versiehst, reagierst du nur noch, statt selbst zu entscheiden, was wirklich wichtig ist.

Genau deshalb mache ich in stressigen Phasen gerne einen kleinen „Adlerflug“.

Die Idee dahinter: innerlich kurz abheben, Abstand gewinnen und von oben auf den eigenen Alltag schauen. Denn mitten im Gewusel erkennen wir oft gar nicht mehr, was uns eigentlich Zeit, Energie und Fokus raubt.

Viele Menschen versuchen dann, noch effizienter zu werden. Noch schneller. Noch organisierter. Dabei liegt das Problem häufig gar nicht an fehlender Disziplin – sondern daran, dass wir unsere Zeitfresser nicht mehr sehen.

Und Zeitfresser sind oft viel subtiler, als wir denken.

Nicht nur lange Meetings oder ständige Unterbrechungen. Sondern auch:
– Aufgaben, die sich nur wichtig anfühlen
– fremde Prioritäten
– permanentes Reagieren
– zu viel gleichzeitig im Kopf
– das Gefühl, jederzeit erreichbar sein zu müssen
– dieses ewige „Ich mach nur noch schnell …“

Gerade kreative, vielseitig interessierte Menschen geraten schnell in diesen Strudel. Unser Gehirn liebt neue Impulse, Ideen und Möglichkeiten. Zack – und schon springen wir von Thema zu Thema, ohne wirklich bei uns selbst zu bleiben.

Deshalb hilft der Adlerflug so gut. Er holt dich raus aus dem Tunnelblick.

Probier’s direkt mal aus. Wirklich nur zwei Minuten.

Frag dich:
👉 Was steht heute eigentlich alles an?
👉 Was davon muss ich wirklich heute erledigen?
👉 Was davon will ich heute erledigen?
👉 Wo fühlt sich etwas dringend an – obwohl gar nichts anbrennt?
👉 Was kostet mich gerade besonders viel Energie?
👉 Was würde heute wirklich einen Unterschied machen?

Mehr braucht es oft gar nicht.

Denn plötzlich wird wieder sichtbar, worum es eigentlich geht. Du erkennst schneller, wo du dich im Klein-Klein verlierst. Wo andere Menschen deinen Tag steuern. Und welche Aufgaben gerade nur laut sind – aber nicht wichtig.

Das Spannende ist: Sobald du innerlich einen Schritt zurücktrittst, wird dein Kopf meist sofort ruhiger. Du bekommst wieder Überblick. Klarheit. Fokus.

Und manchmal ist die produktivste Entscheidung tatsächlich: etwas bewusst NICHT heute zu tun.

Mehr zum Thema findest du übrigens auch in meinem Buch Zeitmanagement für kreative Chaoten – besonders in Kapitel 2: „Enttarne deine Zeitfresser & Stressoren“. Genau dort geht es darum, wie du mit etwas Abstand erkennst, was dir wirklich Energie raubt – und wie du wieder mehr Selbstführung statt Fremdsteuerung in deinen Alltag bringst.

Probiere es aus und verschaffe dir echten Überblick statt im Aktionismus halbherzig Dinge zu verändern 😊. Hier ein paar Fragen, die mir Coaching-Klient:innen zum Adlerflug häufig stellen:

Geht es beim Adlerflug schon darum, sofort etwas zu verändern?

Nein. Genau das ist vielen Menschen erst mal ungewohnt.

Beim Adlerflug geht es zunächst nur darum, klarer zu sehen. Abstand zu gewinnen. Wahrzunehmen, was eigentlich gerade los ist.

Viele springen sofort in den Lösungsmodus:
„Wie kriege ich das alles besser organisiert?“
„Wie werde ich produktiver?“
„Wie schaffe ich noch mehr?“

Aber oft hilft zuerst etwas anderes: ehrlich hinzuschauen. Ohne sofort alles optimieren zu wollen.

Denn erst wenn du erkennst, wo du dich im Viel-Viel & Klein-Klein verlierst, kannst du bewusst entscheiden, was du verändern möchtest.

Muss ich den Adlerflug schriftlich machen?

Nein. Du kannst ihn einfach gedanklich machen.

Manche Menschen setzen sich zwei Minuten mit einem Kaffee hin und denken die Fragen kurz durch. Andere schreiben sich ein paar Stichpunkte auf. Wieder andere gehen eine kleine Runde spazieren.

Mach es so, wie es für dich passt.

Gerade kreative Menschen brauchen oft keinen perfekten Analyseprozess. Häufig reicht schon ein kurzer Moment Abstand, um wieder klarer zu sehen.

Und wenn du dann doch einmal ganz genau hinschauen willst, dann empfiehlt es sich, tatsächlich mit Zettel und Stift zu arbeiten, denn so kannst du auch immer wieder in deine Notizen reinschauen. Aber für einen ersten Überblick reicht Nachdenken völlig aus.

Wie lange sollte ich einen Adlerflug machen?

Oft reichen schon zwei bis fünf Minuten. Denn es geht nicht darum, stundenlang den eigenen Alltag zu analysieren. Sondern kurz aus dem Autopilot-Modus auszusteigen.

Ich finde: Lieber regelmäßig kleine Adlerflüge als einmal die große Lebensanalyse. 😊

Wann ist ein guter Zeitpunkt für einen Adlerflug?

Immer dann, wenn du merkst: „Ich funktioniere nur noch.“

Zum Beispiel:
– morgens vor dem Start in den Tag
– zwischen zwei Terminen
– wenn du dich verzettelst
– bevor du einfach „noch schnell“ weitermachst
– oder abends, wenn du das Gefühl hast, den ganzen Tag gerannt zu sein

Was passiert beim Adlerflug eigentlich im Kopf?

Du wechselst vom Reagieren ins Beobachten. Und allein das verändert unglaublich viel.

Plötzlich merkst du:
Nicht alles ist gleich wichtig.
Nicht alles braucht sofort deine Energie.
Und manches fühlt sich nur deshalb dringend an, weil es gerade laut ist.

Genau dadurch entstehen wieder Klarheit, Fokus und Selbstführung.