Heute beginnt die Fastenzeit. Vierzig Tage, in denen viele Menschen bewusst auf Zucker, Alkohol, Social Media oder andere liebgewonnene Gewohnheiten verzichten. Für manche ist es ein religiöses Ritual, für andere ein kleines Selbstexperiment, wieder andere nutzen diese Zeit als Anlass, etwas in ihrem Leben zu verändern.
Ich möchte dich einladen, Fasten einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten – nicht als Disziplinübung und nicht als Challenge, die du möglichst perfekt durchziehen musst, sondern als bewusstes mentales Reset für Menschen mit viel im Kopf.
Denn wenn du zu denjenigen gehörst, die viele Ideen haben, viel Verantwortung tragen, schnell denken, viel wahrnehmen und oft mehrere Themen gleichzeitig bewegen, dann liegt dein eigentliches Problem selten in fehlender Willenskraft. Häufiger ist es die schlichte Überladung deines inneren Systems.
Weniger Reize, mehr Klarheit
Unser Arbeitsgedächtnis – dein „mentaler Schreibtisch“ – ist begrenzt. Wenn zu viele Gedanken, Projekte, Verpflichtungen und Reize gleichzeitig darauf liegen, entsteht keine Klarheit, sondern innere Unruhe. Diese Unruhe fühlt sich schnell wie Stress an, obwohl sie im Kern oft nichts anderes ist als ein überfüllter Speicher.
Bewusster Verzicht kann hier zu einem machtvollen Instrument werden. Nicht im Sinne von „Ich darf das nicht“, sondern im Sinne von „Das kommt für eine bestimmte Zeit nicht mehr auf meinen mentalen Schreibtisch“. Wenn du beispielsweise entscheidest, abends keine Mails mehr zu lesen, morgens keine Nachrichten zu konsumieren oder neue Projekte bewusst nicht anzustoßen, dann reduzierst du Reize, bevor dein Gehirn sie überhaupt verarbeiten muss.
Und genau dadurch entsteht etwas, das viele Menschen schmerzlich vermissen: mentale Klarheit.
Mentales Fasten statt Selbstoptimierung
In meinen Coachings erlebe ich immer wieder, dass Menschen glauben, sie müssten nur strukturierter planen oder noch disziplinierter priorisieren, um wieder mehr Fokus zu bekommen. Eine Unternehmerin, die parallel mehrere neue Ideen entwickelt und sich wundert, warum sie sich permanent erschöpft fühlt. Eine Führungskraft, die ständig erreichbar ist und merkt, dass ihr Entscheidungsvermögen nachlässt. Ein kreativer Kopf, der täglich neue Impulse aufnimmt und gleichzeitig das Gefühl hat, innerlich immer unruhiger zu werden.
Was diese Menschen nicht brauchen, ist ein weiteres Tool oder eine noch strengere Morgenroutine. Sie brauchen weniger Input. Weniger parallele Baustellen. Weniger Dauererreichbarkeit.
Mentales Fasten bedeutet deshalb nicht Selbstkasteiung, sondern Selbstführung. Es bedeutet, bewusst zu entscheiden, welche Reize und Verpflichtungen in dein System dürfen – und welche nicht.
Folgende drei „Fasten-Ideen“ könnten dir gefallen:
1. Digitales Fasten – Reizreduktion für mehr Klarheit
Digitales Fasten heißt nicht, dein Smartphone für vierzig Tage in eine Schublade zu legen, sondern vielmehr, klare Grenzen zu definieren, die deinem Gehirn wieder Raum geben. Wenn du morgens nicht sofort Nachrichten liest, wenn du dir feste Offline-Zeiten gönnst und abends keine Mails mehr beantwortest, dann entsteht eine neue Qualität von Ruhe.
Unser Gehirn ist kein Hochleistungsprozessor, der unbegrenzt Input verarbeiten kann. Jeder Reiz aktiviert neuronale Prozesse, jede Benachrichtigung fordert eine Mini-Entscheidung. Wenn du diese ständigen Unterbrechungen reduzierst, berichten viele meiner Klientinnen und Klienten schon nach wenigen Tagen, dass sie klarer denken, schneller entscheiden und insgesamt gelassener reagieren.
2. Sorgen-Fasten – Grübelschleifen bewusst begrenzen
Gerade Menschen mit viel im Kopf neigen dazu, gedanklich immer wieder um dieselben Themen zu kreisen, Szenarien durchzuspielen oder alte Situationen neu zu bewerten. Dieses Grübeln kostet Energie, ohne dass es echte Lösungen hervorbringt.
Eine einfache Methode, die ich häufig empfehle, ist der sogenannte „Sorgenstuhl“. Grübeln ist nicht verboten, aber es bekommt einen klaren Rahmen. Wenn du grübeln willst, dann setz dich bewusst auf diesen Stuhl und gib deinen Gedanken Raum – aber nicht im Bett, nicht im Meeting, nicht beim Abendessen. Dein Gehirn lernt so, dass nicht jeder Gedanke sofort Aufmerksamkeit verdient, und genau das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstführung.
3. Entscheidungs-Fasten – weniger Optionen, mehr Wirksamkeit
Ein weiterer Ansatz kann sein, für eine begrenzte Zeit bewusst keine neuen Projekte oder Initiativen zu starten. Eine Geschäftsführerin, mit der ich gearbeitet habe, entschied sich während der Fastenzeit dafür, vierzig Tage lang nichts Neues anzustoßen, sondern ausschließlich Bestehendes sauber zu führen. Ihr Fazit war bemerkenswert: Zum ersten Mal seit Langem hatte sie das Gefühl, dass ihr Kopf nicht permanent im Alarmmodus war.
Je weniger Optionen wir gleichzeitig offenhalten, desto weniger kognitive Energie verbrauchen wir. Weniger Entscheidungen bedeuten mehr Klarheit – und mehr Klarheit bedeutet wiederum mehr Wirksamkeit.
Warum weniger tatsächlich mehr Energie bringt
Neuropsychologisch betrachtet ist dieser Effekt gut erklärbar. Jeder neue Impuls aktiviert unser Belohnungssystem, jede Entscheidung kostet mentale Energie, jeder offene Gedanke blockiert einen Teil unseres Arbeitsgedächtnisses. Wenn du bewusst reduzierst, sinkt dein innerer Druck, dein Cortisolspiegel stabilisiert sich und deine Konzentrationsfähigkeit steigt.
Fasten wird so zu einer Strategie für mentale Gesundheit, nicht zu einem Leistungsbeweis.
Dein persönliches Fasten-Experiment
Stell dir in dieser Fastenzeit nicht nur die Frage, worauf du verzichten willst, sondern was für vierzig Tage nicht mehr auf deinen mentalen Schreibtisch darf. Vielleicht ist es das abendliche Scrollen, vielleicht das reflexhafte Ja-Sagen, vielleicht das parallele Starten neuer Projekte oder das ständige Gedankenkreisen.
Bewusster Verzicht ist kein Beweis deiner Disziplin, sondern ein Ausdruck von Selbstführung. Und genau darin liegt seine Kraft.
Vielleicht ist diese Fastenzeit nicht der Verzicht auf etwas.
Sondern der Beginn von mehr mentaler Klarheit und echter Power.
Auf was willst du in den kommenden 40 Tagen verzichten? Schreibe es gerne in die Kommentare – ich freue mich darauf!
(Komplett überarbeitet für Euch im Februar 2026. Eure alten Kommentare lasse ich stehen 🙂.)
P.S. Wenn du tiefer in das Thema mentales Zeitmanagement für Menschen mit viel im Kopf einsteigen willst, dann hör gern in meinen Podcast „7 Minuten: Mehr Zeit für mich“ rein – dort findest du regelmäßig Impulse für mehr Klarheit, Fokus und Selbstführung.

Fasten und Verzicht Faste und verzichte ich, weil ich unglücklich bin? Fasten=Kasteien wie ein frommer Büßer? Verzicht=Zurücknahme vorheriger Üppigkeit? Fasten + Verzicht = Glück? Glück ist abhängig von meiner eigenen Glücksdefinition und wie ich mein Glücklichsein erzeuge. Wenn ich eine Situation nicht mehr haben möchte, und mir sage: „Nein, so nicht mehr, ich bin unglücklich“, erzeuge ich die gewollte Situation erneut. Von der Physik kennen wir das „Gesetz von Kraft und Gegenkraft“, das Resonanzgesetz. Die menschliche Physik im Sinn des Resonanzgesetzes kann ich so übersetzen: Ich bekomme das zurück, was ich aussende und erzeuge es ungewollt: „ich bin unglücklich“. Fange… Weiterlesen »
Hallo Johanna, das sind wirklich gute Gedanken, die wir uns zu diesem Thema machen können – Danke füs Teilen 🙂
6 Wochen später…..wie ging es Euch mit Euren Fasten-Aktionen? Freue mich auf Eure Erfahrungen 🙂
Ich habe meinen Konsum“verzicht“ fortgesetzt- wie geplant. Es tut gut, nicht so viel Zeug zu haben. Hinzugekommen ist eine Reduzierung von Ablenkungen aller Arten, immerzu Reizen von außen ausgesetzt zu sein und darauf reagieren zu müssen, ob von Menschen oder von Medien. Mehr Zeit, „in mich“ zu gehen und „bei mir zu bleiben“ als außer-sich zu sein. Bei diesen „Außen“-Aktionen ist es sehr schwer, im Gleichgewicht zu bleiben, in mir zu sein gibt mehr Ruhe und Standfestigkeit. Ich werde das alles nicht auf die Fastenzeit reduzieren. Auch da muss man ja nicht von äußerlichen Impulsen motiviert sein. Frohe Ostern !… Weiterlesen »
Ja, ich habe auf Süßes und Alkohol weitgehend verzichtet. ein paar Tage Urlaub ausgenommen. Gut geklappt hat das Konsumfasten – habe nichts Unnötiges gekauft. Das finde ich sehr gut!
Der Verzicht auf Süßigkeiten hat funktioniert, der auf Alkohol auch – mit einem Ausrutscher (Geburtstag). Richtig glücklich hat mich das nicht gemacht. Viel spannender war das Konsumfasten: Ich habe in den Wochen absolut nichts gekauft, das nicht lebensnotwendig war – (nur zur Erläuterung, was ich damit meine: Wenn mein Sohn neue Turnschuhe brauchte, weil die alten nicht mehr gepasst haben, klare Sache, hat er gekriegt, Wenn ich dachte, ein neues Kleid wäre nett, obwohl ich noch eins habe, das gut ist, hab ich es nicht gekriegt. Und mein Sohn auch nicht das zehnte T-Shirt) Selbst bei den Lebensmitteln habe ich… Weiterlesen »
Ja, so sehe ich es auch: Verzicht macht nur Spaß/glücklich…. wenn es eine freie Entscheidung ist.
Verzicht aus der Not ist ein ganz anderes Thema.
Und den Gedanken, angesichts der möglichen Fülle dankbarer zu sein, finde ich wunderschön – DANKE fürs TEILEN.
Die „7 Wochen ohne“der- aAktion der ev. Kirche lautet dieses Mal „Zuversicht- 7 Wochen ohne Pessimismus“, das spricht mich sehr an! Dein „Sorgenstuhl“ passt da heute prima dazu, vielen Dank, liebe Cordula! Angesichts der grassierenden Hypes und Panikmache neben all den schlimmen diversen Dystopien ringsum möchte ich gerne meinen Zugang zu meiner Kraft und Lebensfreude stãrken und mich auch mit anderen ohne gemeinsames Jammern, Klagen und Lästern verbinden. Jeden Morgen kurz meditieren? Ich versuche es. Und wenn es mir gut genug geht, werde ich Ende März bis Gründonnerstag wieder online- begleitet fasten, das war vor 2 Jahren eine sehr schöne… Weiterlesen »
Hallo Felicitas,
danke für den Hinweis auf die Aktion der evangelischen Kirche – kannte ich noch gar nicht! Alles Liebe für Deine Vorsätze! Cordula
Ich verzichte 35 Tage auf Gluten, mal sehen, was das bewirkt.
habe bis vor zwei Jahren in den Fastenwochen immer auf Süßes und Alkohol verzichtet – brachte außer der Befriedigung, es geschafft zu haben, keinen Effekt. nicht mal weniger Kilos. somit ist das ein bisschen abgenutzt. Ernähre mich seit 14 Wochen sehr glutenarm (sage bewusst nicht glutenfrei, weil es immer mal wieder irgendwelche Krümel gibt, die zwischenrutschen) – da diese Umstellung nicht gesundheitsbedingt ist, macht das nichts. Bisher sehr zufrieden, weil wieder neue Ernährungsmöglichkeiten kennengelernt und Rückenschmerzen zeitgleich stark reduziert. Ich sehe einen Zusammenhang, medizinisch belegbar ist er nicht – mir aber egal, Hauptsache, es scheint zu funktionieren. lange praktizierter Verzicht… Weiterlesen »
Ich möchte bis Ostern komplett auf Alkohol und Süßigkeiten verzichten. Eine Freundin von mir (mit der ich gelegentlich gerne ein Glas Wein oder zwei trinke) macht das schon seit Jahren ohne jeden religiösen Hintergrund.
Begleitend dazu möchte ich verzichten auf: das ständige Vergleichen mit anderen, die schöner, klüger, reicher etc. sind als ich, auf gewohnheitsmäßige Selbstzweifel und negative Erwartungen, auf Versagensängste.
Und an Ostern werde ich das Strahlen feiern, das dadurch in mein Leben gekommen ist. Noch Zweifel? Iwo!
[…] Woche haben wir in unserer wunderbaren Denk-Bar diskutiert, auf was wir verzichten könnten. Und welche Türen uns unter Umständen dadurch geöffnet werden. Diese Woche denken wir […]
Schöne Anregungen hier.
Ich verzichte seit einiger Zeit auf den Kosumrummel.
Keine Schnäppchenjagd, Sonderangebote, Sale-Käufe, Prozente raffen …
Am besten spart man ohnehin dann, wenn man die meist überflüssigen Sachen GAR nicht kauft.
Es ist erstaunlich, wie viel ich tatsächlich nicht wirklich brauche.
Auf Zucker und Weißmehl verzichtne habe ich bisher nicht geschafft, obwohl das auch reizvoll ist.
Hallo Dorothea, ich habe vor einiger Zeit den Tip von http://www.notimetoeat.de erhalten. Schon mit Hilfe des No time to cook -Koch-E-Book und der Facebookgruppe bin ich seit drei Wochen sehr tough. Es inspiriert ungemein und die Rezepte sind endlich Rezepte, die schmecken und die unendlich lange satt machen. Das war immer mein Problem. Und damit habe ich auch mein Fastenthema für dieses Jahr und überhaupt zum ersten Mal – gesünder essen…und zwar länger als nur bis Ostern ;). Außerdem habe ich ein Foto von mir an den Kühlschrank gehangen, wie ich wieder aussehen möchte, also auch schlanker. Und ich glaube,… Weiterlesen »
Ich werde die nächsten Wochen wieder an „7 Wochen ohne“ teilnehmen, Thema ist diesmal „ohne Enge“. Es gibt jede Woche eine Aufgabe, und das finde ich viel sinnvoller, als 40 Tage lang einem sturen „Programm“ zu folgen. Das klappt in meinem Leben leider wirklich selten – und 40 Tage auf’s Atmen oder Denken zu verzichten erscheint mir dann auch am Thema vorbei zu sein.
Ich werde auf weißen Zucker und Weißmehl verzichten.
Ich möchte in den nächsten Wochen nicht verzichten, sondern etwas wieder einführen: meine allabendliche Meditation.
Okay, dadurch werde ich auf TV (inkl. Süßem) verzichten oder auch auf das Smartphone. Doch ich betrachte es lieber aus der für mich positiveren Perspektive.